10 Februar 2021

Proteste in Myanmar gehen weiter

Zehn Tage nach der MachtĂŒbernahme des MilitĂ€rs in Myanmar haben am Mittwoch wieder Zehntausende Menschen gegen die Putschisten demonstriert.

Trotz der gewaltsamen Reaktion der SicherheitskrĂ€fte vom Dienstag mit vielen Verletzten und Hunderten Festnahmen zogen von Mandalay bis Rangun ProtestzĂŒge durch die Strassen. Die Menschen fordern die Freilassung der festgesetzten Regierungschefin Aung San Suu Kyi und die Wiedereinsetzung ihrer zivilen Regierung. Unter den Demonstranten waren auch Beamte, Ärzte und buddhistische Mönche. Berichten zufolge blieb es zunĂ€chst weitgehend friedlich.

„Es ist wirklich seltsam heute. Die Polizei hat keinen der MĂ€rsche in Rangun blockiert“, schrieb der lokale Journalist Mratt Kyaw Thu auf Twitter. „Die jungen Leute protestieren friedlich und noch modischer als in den vergangenen Tagen“, betonte er mit Blick auf die immer kreativer werdenden Kundgebungen.

So marschierten in der grössten Stadt Rangun (heute offiziell Yangon) mehr als 100 Frauen in prĂ€chtigen Abendkleidern als Disney-Prinzessinen durch die Strassen. „Wir wollen zeigen, dass junge Frauen auch an den Protesten teilnehmen. Wir dachten, diese Outfits wĂ€ren der offensichtlichste Weg, dies zu tun“, zitierte das Portal „Frontier Myanmar“ eine Demonstrantin.

An anderer Stelle war ein Demonstrationszug muskelgestĂ€hlter Bodybuilder zu sehen, die mit nacktem Oberkörper protestierten, wie Videos auf sozialen Netzwerken zeigten. In Myawaddy gingen Mitarbeiter des Gesundheitswesens in grĂŒnen OP-AnzĂŒgen auf die Strassen. Es war der fĂŒnfte Tag der Proteste in Folge.

Beobachter berichteten auf Twitter, dass sich vielerorts auch Polizisten den Demonstranten angeschlossen und ebenfalls gegen die Junta ausgesprochen hĂ€tten, so etwa in der östlichen Stadt Loikaw. „Wir sind auf der Seite des Volkes“, war auf Plakaten zu lesen. Auf Fotos waren Polizisten zu sehen, die den Dreifingergruss zeigten, der bereits bei regierungskritischen Protesten in Thailand im vergangenen Jahr zum Symbol des Widerstands geworden war.

Seit dem Wochenende reissen die Massenproteste nicht ab. Am Dienstag hatten die SicherheitskrĂ€fte erstmals mit Gewalt reagiert und Wasserwerfer und Gummigeschosse eingesetzt. Dabei soll auch scharf geschossen worden sein. Es gab viele Verletzte, eine Frau wurde von einer Kugel am Kopf getroffen und ist Berichten zufolge in kritischem Zustand. Zudem gab es am Dienstag Hunderte Festnahmen. Dutzende Inhaftierte seien am Mittwoch in der nördlichen Grossstadt Mandalay wieder freigelassen worden, schrieb die Zeitung „Myanmar Times“.

Die BefĂŒrchtungen eines massiven Durchgreifens der Polizei wachsen aber weiter. Seit Montagabend gelten in stark von Protesten betroffenen Gegenden Ausgangssperren zwischen 20.00 und 4.00 Uhr und ein Versammlungsverbot fĂŒr mehr als fĂŒnf Menschen. In der Vergangenheit hatten die MilitĂ€rs jeglichen Widerstand immer brutal niedergeschlagen.

Die FriedensnobelpreistrĂ€gerin Aung San Suu Kyi wurde seit ihrer Festsetzung in der Nacht zum 1. Februar nicht mehr gesehen. Sie soll sich im Hausarrest befinden. Am Dienstagabend waren SicherheitskrĂ€fte in die Zentrale ihrer Partei Nationale Liga fĂŒr Demokratie (NLD) eingedrungen und hatten diese durchsucht.

Es seien „sowohl informelle als auch formelle Versuche“ unternommen worden, Suu Kyi in den Tagen nach dem Putsch zu erreichen, sagte der Sprecher des US-Aussenministeriums Ned Price in einem Pressebriefing. „Diese BemĂŒhungen wurden abgelehnt.“ Die internationale Gemeinschaft tue derzeit alles um sicherzustellen, dass Demokratie und zivile FĂŒhrung im frĂŒheren Birma wiederhergestellt wĂŒrden, so Price.