29 MĂ€rz 2022

Grosse Erfolge fĂŒr die Curlerinnen

Sieben WM-Titel zwischen 2012 und 2022. Das Schweizer Frauencurling triumphiert auf Weltniveau in einer Weise, wie man es nicht einmal von den kanadischen Teams jemals gekannt hat.

Die Schottinnen um Eve Muirhead 2013 sowie die kanadischen Teams von Rachel Homan und Jennifer Jones 2017 und 2018 – nur diese drei unterbrachen den Siegeszug der Schweizer Quartette in dieser ganzen Zeit.

Dabei musste man sich fĂŒr das Schweizer Frauencurling eigentlich auf eine Durststrecke gefasst machen. Mirjam Ott dominierte in der Schweiz jahrelang haushoch. In ihrer besten Zeit gewann die heute 50-jĂ€hrige Bernern als Skip mit den Teams von Flims respektive Davos unter anderem Olympia-Silber 2006, EM-Gold 2008 und WM-Gold 2012. Das Gedeihen des Schweizer Frauencurling schien allein von ihr abzuhĂ€ngen.

In Sotschi 2014 wurden die Curlerinnen des CC Davos zum zweiten Mal nacheinander an einem Olympia-Turnier Vierte. Sie verabschiedeten sich aus dem Spitzensport, und Swiss Curling schien bei den Frauen vor dem Nichts zu stehen, in ein Vakuum zu geraten. Die Teams von Binia Feltscher und Silvana Tirinzoni hatten bis dorthin, bis 2014, nichts Grosses gewonnen, vor allem keine Medaillen als Skips an Welt- und Europameisterschaften. Und die junge ZĂŒrcherin Alina PĂ€tz war zu dieser Zeit gerade erst dabei, ein eigenes Team mit drei ebenfalls jungen Mitspielerinnen aufzubauen.

Aber das vermeintliche Ende sollte sich als der Anfang der besten Zeit herausstellen. Gleichsam aus diesem Nichts fiel dem Schweizer Curling unmittelbar nach Otts RĂŒcktritt der WM-Titel 2014 in den Schoss. Binia Feltscher errang ihn im kanadischen Saint John zusammen mit Christine Urech, Franziska Kaufmann und Irene Schori. Es war fĂŒr den Kopf der Flimserin möglicherweise hilfreich, dass die alles dominierende Ott nicht mehr die ĂŒbermĂ€chtige Konkurrentin war, die alles auf sich zog.

Ein Jahr spĂ€ter, an der WM in Sapporo, verblĂŒffte die Urdorferin Alina PĂ€tz, fĂŒr Baden Regio spielend, mit den drei Bernerinnen Nicole SchwĂ€gli, Marisa Winkelhausen und Nadine Lehmann die ganze Fachwelt. Das junge Quartett wurde nicht einmal als Aussenseiter gehandelt, aber es spielte die ganze renommierte Konkurrenz in Grund und Boden. Die Bilanz von 14:1 Siegen, mit der die „Four Blondes“ sensationelle Weltmeisterinnen wurden, war bis dorthin beispiellos.

Wieder ein Jahr spĂ€ter schlug Binia Feltscher mit unverĂ€ndertem Team erneut in Kanada zu, in Swift Current. Das Schweizer Frauencurling hatte von 1984 bis 2011 keinen WM-Titel eingefahren, und jetzt konnte es plötzlich auf einen Titel-Hattrick stolz sein – auf einen Hattrick, wie ihn jetzt auch das Team Tirinzoni allein aufweist.

Silvana Tirinzoni war nebst Binia Feltscher und Alina PĂ€tz der Schweizer Skip, dem man etwas zutrauen konnte. Aber mit ihrer Formation brachte sie es nicht aufs Podest, auch nicht im Olympia-Turnier 2018 in Pyeongchang. Alles Ă€nderte sich im FrĂŒhling 2018, als Melanie Barbezat auf der ersten Position dazu stiess und – vor allem – Alina PĂ€tz die Position der Nummer 4 auszufĂŒllen begann. Die gewiefte Taktikerin Tirinzoni kann sich seither auf der dritten Position besser einbringen. Dass sie das weltbeste Team sind, haben die fĂŒr den CC Aarau spielenden Curlerinnen bewiesen. Der Hattrick wĂ€re nicht einmal nötig gewesen. Umso beeindruckender ist heute die Matchbilanz aus den drei gewonnenen Weltmeisterschaften: 39 Siege bei nur 5 Niederlagen.

(text:sda/bild:sda)