3 Februar 2021

Andy Jassy wird Amazon-Chef

Den ersten bleibenden Eindruck bei Amazon-Gr├╝nder Jeff Bezos hinterliess Andy Jassy mit einem Kayak-Paddel. Es war 1997, Amazon war eine junge Firma von jungen Leuten, und eine Besprechung endete mit einer Partie „Broomball“ – eines an Hockey angelehnten Spiels aus Kanada, bei dem man einen Ball mit einer Art Besen f├╝hrt – oder eben behelfsm├Ąssig mit einem Kayak-Paddel. Der frisch eingestellte Jassy zog im Eifer des Gefechts seinem Chef eins ├╝ber den Kopf. Die Episode, die Bezos-Biograf Brad Stone herauskramte, schadete der Karriere des heute 53-j├Ąhrigen Jassy nicht im Geringsten.

Einige Jahre sp├Ąter bekam Jassy ein Angebot, das mit seinem nun bevorstehenden Aufstieg an die Amazon-Spitze besonders bedeutend erscheint. Bezos machte ihn zu seinem ersten offiziellen „Schatten“: Ein Mitarbeiter begleitet den Chef auf Schritt und Tritt und nimmt an allen seinen Beratungen teil. Jassy verbrachte eineinhalb Jahre an Bezos‘ Seite – und war danach bereit f├╝r eine grosse Aufgabe.

Jassy wurde damit betraut, auf Basis von Amazons hauseigener IT-Infrastruktur einen Dienstleister f├╝r externe Kunden aufzubauen. Die ├ťberlegung war, die Ressourcen, die nur in Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgesch├Ąft voll ausgelastet sind, rund ums Jahr einzusetzen.

Die Idee war dennoch umstritten. Amazons Geldgeber im Verwaltungsrat bef├╝rchteten ein Millionengrab. Jassy war zudem kein Techniker, sondern Absolvent der Harvard Business School. Seine Vision, Speicher und Rechenleistung kosteng├╝nstig ├╝bers Netz bereitszustellen, ging jedoch auf. Die von ihm gef├╝hrte Sparte Amazon Web Services liefert Cloud-Infrastruktur an unz├Ąhlige Start-ups und grosse Unternehmen. F├╝r Amazon wurde AWS zu einer Geldmaschine: Die Sparte brachte zuletzt zwei Drittel des operativen Gewinns des Konzerns ein.

Jassy, der einst bekannte, sich zw├Âlf Dosen Cola Light pro Tag reinzusch├╝tten, h├Ąlt auch im gespaltenen Amerika seine politischen Ansichten nicht zur├╝ck. So begr├╝sste er bei Twitter die Gleichstellung sexueller Minderheiten durch das Oberste Gericht der USA und forderte Konsequenzen f├╝r den Tod der schwarzen Amerikanerin Breonna Taylor bei einem Polizeieinsatz. Zuletzt wurde er in eine Klage der bei Unterst├╝tzern von Donald Trump beliebten Twitter-Alternative Parler hineingezogen, der AWS nach Gewaltaufrufen rund um den Sturm auf das Kapitol den Stecker zog. Kritisiert wurde Jassy daf├╝r, dass Amazon Beh├Ârden die Gesichtserkennungs-Software Rekognition liefert – was er verteidigt.

Jassy heiratete 1997 Elana Caplan, die Modedesignerin f├╝r die Firma Eddie Bauer war. Beide leben in Seattle mit ihren zwei Kindern.

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