16 Mai 2021

43. Solothurner Literaturtage: „mehr Publikum als erwartet“

Die 43. Ausgabe der Solothurner Literaturtage ist am Sonntag zu Ende gegangen – mit rund 11’000 Zuschauerinnen und Zuh├Ârern, die sich den Veranstaltungen im Netz zugeschaltet und grossmehrheitlich auch daf├╝r bezahlt haben.

Bereits zum zweiten Mal sind die Solothurner Literaturtage ins Netz ausgewichen, abgesehen von zehn Veranstaltungen, die mit Publikum angeboten wurden. Aber anders als im letzten Jahr hat die 43. Ausgabe ein Vollprogramm angeboten. F├╝r die mehr als 150 Veranstaltungen mit ├╝ber 80 Autorinnen, ├ťbersetzern sowie internationalen G├Ąsten haben die Macher Eintritt verlangt.

Pro Veranstaltung haben sich bei den Videostreams durchschnittlich 150 Personen eingeloggt, f├╝r Audiostreams etwa 65, wie die Verantwortlichen am Sonntag mitteilten. Laut Hochrechnungen von Samstagabend haben sich an den drei Tagen des Literatur-Festivals insgesamt rund 11’000 Literaturbegeisterte zugeschaltet. Auch wenn sich die Zahlen nur bedingt vergleichen lassen: Letztes Jahr waren 21’000 Interessierte im Netz dabei und 2019 sind hochgerechnet 17’800 Besucherinnen und Besucher nach Solothurn gepilgert.

Die Verantwortlichen ziehen eine positive Bilanz. Dani Landolf, der neue Gesch├Ąftsf├╝hrer der Solothurner Literaturtage, zeigt sich gar „├╝berw├Ąltigt“ von dem Zuspruch. „Wir hatten mehr Publikum als erwartet“, sagt er gegen├╝ber Keystone-SDA und r├Ąumt ein: „Bis zum Schluss haben wir gezittert, ob die Leute auch bereit sind zu bezahlen.“ Er sch├Ątzt, dass 10’000 Tickets verkauft wurden, gratis wurden nur 1000 vergeben.

Nach seiner ersten Festivalausgabe, die er selbst verantwortet, wird ihm ganz besonders die Lesung und das Gespr├Ąch mit dem irischen Autor Colum McCann von Samstag in Erinnerung bleiben, erz├Ąhlt er weiter. Dessen Buch „Apeirogon“ thematisiert den Konflikt zwischen Israelis und Pal├Ąstinensern. „Ber├╝hrend“ sei die Veranstaltung gewesen, „besonders vor dem Hintergrund der aktuellen Verh├Ąltnisse in Israel und den Pal├Ąstinensergebieten“, so Landolf.

Eindruck auf ihn gemacht hat zudem der Auftritt der Westschweizer Rapperin KT Gorique am Samstagabend. „Sie hat den Saal zum Kochen gebracht.“ Und ganz besonders freue ihn, dass die Veranstaltungen, die Literatur in den Kontext von Politik und Identit├Ąt gesetzt haben „gut angekommen sind, weil mir diese Thematik besonders am Herzen lag“.

Und was wird von der 43. Ausgabe f├╝r die Zukunft bleiben? „Es hat sich gezeigt, dass Audio ein gutes Format ist“, sagt Landolf. „Vermutlich werden wir auch in den kommenden Jahren Vorstellungen, die wir vor Ort in Solothurn anbieten, online zug├Ąnglich machen.“ Denn es habe sich in den vergangenen Tagen gezeigt, dass sich die meisten Besucherinnen und Besucher „nicht nur kurz zugeschaltet haben, um dann weiter zu h├╝pfen – nein, sie sind dabei geblieben, bis zum Schluss der Veranstaltung“.

Dennoch freuen sich die Verantwortlichen der Solothurner Literaturtage auf die 44. Ausgabe, die vom 27. bis 29. Mai 2022 wieder vor Ort in Solothurn stattfinden soll. „Denn schliesslich ist es unser Kerngesch├Ąft, hier in Solothurn ein Literaturfest zu feiern“, sagt Landolf. Dieses Jahr habe es nur ein „bisschen davon gegeben, am Freitag, als das Wetter noch sch├Ân war und man sich auf den Strassen getroffen hat.“

(text:sda/bild:unsplash)