18 März 2021

21-Jähriger in Moutier BE wegen Mordes verurteilt und verwahrt

Ein 21-J√§hriger ist am Donnerstagabend vom Regionalgericht Berner Jura-Seeland in Moutier (BE) des Mordes und dreier Mordversuche f√ľr schuldig befunden worden. Wegen R√ľckfallgefahr des unter atypischem Autismus Leidenden ordneten die f√ľnf Richter die Unterbringung in der psychiatrisch begleiteten Verwahrung an.

Der damals 19-Jährige stach 2018 am Bahnhof Tramelan im Berner Jura auf einen ihm unbekannten Mann ein Рeine Tat, die er nie erklären konnte. Laut Staatsanwaltschaft beging er sie aus Frust, nicht wie geplant mit dem Zug fahren zu können.

Kurz vor Erreichen des Bahnhofs hatte der nun Verurteilte im Haus der Familie in Tramelan seine Adoptiveltern und seine Schwester erstochen. Der Angeklagte tat es, um das Haus verlassen und mit dem Zug reisen zu können. Das Gericht wertete dies als versuchten Mord.

„Es ist ein Fall von √§usserster Schwere mit katastrophalen Folgen“, sagte der Pr√§sident des Gerichts Josselin Richard in Abwesenheit des Angeklagten.

Der Richter war der Ansicht, dass der Angeklagte einen v√∂lligen Mangel an Empathie und die √§usserste Verachtung gegen√ľber dem menschlichen Leben gezeigt habe.

Bei seiner Anh√∂rung schien der Angeklagte in einer anderen Welt zu sein und sich der Schwere der Tatsachen, die er nicht bestreitet, nicht bewusst zu sein. Ich bin hier, weil ich in Tramelan etwas Dummes gemacht habe“, sagte der junge Mann mit jugendlichem Blick. „Bumm, ich habe ihn mit einem Messer angegriffen“, sagte er und meinte damit sein Opfer am Bahnhof.

Die Staatsanwaltschaft hatte wegen der R√ľckfallgefahr und der Gef√§hrlichkeit des Angeklagten eine ordentliche Haft mit psychiatrischer Behandlung beantragt, die Verteidigung hatte unter Hinweis auf die Unzurechnungsf√§higkeit des jungen Mannes therapeutische Massnahmen in einer Anstalt bef√ľrwortet.

Die medizinischen Sachverst√§ndigen stellten fest, dass der Angeklagte an einem atypischen Autismus und einer leichten geistigen Behinderung mit einer psychischen Strukturierung von zeitweise explosiver Natur leidet, was die R√ľckfallgefahr als erheblich qualifiziert. Im Rahmen seiner St√∂rung ist der Angeklagte besessen von Z√ľgen und fasziniert von Gewaltszenen.

W√§hrend seiner Vernehmung in der vergangenen Woche schaute der Angeklagte oft aus dem Fenster des Gerichtssaals, um mit einem breiten L√§cheln die vorbeifahrenden Z√ľge zu beobachten. Auf die Frage des Gerichtspr√§sidenten, ob er ein letztes Mal sprechen wolle, antwortete er: „Kann ich mit dem Zug nach Luzern fahren?“

Zum Zeitpunkt des Geschehens war der Angeklagte von der psychiatrischen Anstalt im Kanton Neuenburg, in der er auf gerichtlichen Beschluss untergebracht war, beurlaubt worden und hatte die Anstalt verlassen d√ľrfen, um seine Familie zu besuchen.

(text:sda/bild:archiv)